Leseprobe – Vor Pest, Hunger und Krieg bewahre uns, Herr

Während ich vor meinem inneren Auge noch die geputzten und geschmückten Pferde am Priester vorbeiziehen sehe, fällt mein Blick auf einen Text aus der Apokalypse. Er stammt aus der Bibel, und wurde leicht verändert links und rechts des Torbogens innen an die Kirchenwand gemalt:

Und ich sah ein weißes Roß. Und der darauf saß, hatte einen Bogen, ihm ward gegeben eine Krone und er zog aus als Sieger. Und ich sah ein anderes Roß, das war feuerrot und der darauf saß, nahm den Frieden von der Erde, ihm ward ein großes Schwert gegeben. Und ich sah ein schwarzes Roß und der auf demselben saß, hielt eine Waage in der Hand. Es war die Hungersnot. Und ich sah ein fahles Roß und der darauf saß, des Name hieß Tod und die Hölle folgte ihm nach
(nach der geheimen Offenbarung des Johannes Kap. 9. 7,8).

In einem darüber gemalten Bild ist der Text, in den Kontext von Etzelsbach gebracht, bildlich dargestellt, was besonders durch die Darstellung der Pferde und durch die Einbeziehung Marias deutlich wird, die in einem blauen Umhang gehüllt flehend zu Füßen des Weltenrichters kniet. Dieser wiederum sitzt freihändig und sattelsicher auf dem dritten, sich aufbäumenden, der vier dahinrasenden Pferde. Er scheint das Flehen Marias zu erhören, denn von seiner linken Hand entspringt ein heller Strahl, Zeichen von Segen und Kraft, der etwas unterhalb der Hand die Form eines Sternes annimmt, als Strahl weiterläuft und im Heiligenschein der Maria endet. Gleich darunter steht der Text:

Vor Pest, Hunger und Krieg bewahre uns Herr.

Noch ist mir vieles rätselhaft. Es ist ein Marienwallfahrtsort, soviel weiß ich. Und ein Ort, an dem Pferde gesegnet werden. Meine Bekannte und ich überlegen noch, ob die auf den Glasfenstern des Altarraums gemalten Schutzheiligen der Tiere, Wendelin und Hubertus, auch besondere Schutzheilige gerade für Pferde sind, da wird die Türe geöffnet und ein älteres Ehepaar kommt herein.

aus: Annette Rehfus (geb. Hoffmann):
Das Gnadenbild und die Pferde von Etzelsbach
Eine ethnologische Studie zur Wallfahrtsforschung am Beispiel des Obereichsfelds

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